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Clara, Dana, Fanny, Dorothy
- ein Konzert zum internationalen Frauentag
Präsentation und Dramaturgie: Irene Suchy
Radiokulturhaus, 8. März 2005, 19.30 Uhr Großer
Sendesaal
Mitwirkende: Das Amber Trio Jerusalem - Ulrike Beimpold
in Kooperation mit dem Jüdischen Museum.
Mendelssohns Schwester, Schumanns Frau, Gershwins Kollegin,
Hindemiths Schülerin.
Musik berühmter Frauen aus dem Schatten berühmter
Männer.
Klaviertrios von Fanny Mendelssohn und Mel Bonis, Songs
von Dana Suesse und anderen Girls der Tin Pan Alley,
Ragtimes der Fluffy Ruffle Girls, ein Duo der Yale Absolventin
Ruth Schonthal.
Texte für und an Frauen von Erich Kästner,
Colette, Käthe Leichter und anderen.
"Eine Frau und einem Komponisten wird kein Mensch
jemals glauben, dass sie absichtlich häßlich
sein wollen."
Franz Schmidt zu einem Kompositionsschüler angelegentlich
einer wenig gut klingenden Stelle.
Die Rollen sind klar verteilt: eine Frau und ein Komponist.
Frauen waren in mannigfaltiger Hinsicht vom Beruf des
Komponisten ausgeschlossen, von Vereinigungen und Verbänden
sowieso, von der Rechtsfähigkeit auch.
Die Bildergalerie von Komponisten in der Gesellschaft
der Musikfreude in Wien zeigt natürlich nur Männer.
Wenig verwunderlich, wenn Brahms herablassend lächelnd
es ablehnte, das Schaffen der Komponistin Ethel Smyth
überhaupt zu beurteilen.
Noch bis in die 70er Jahre galt in der Sprache der Musik
weiblich als minderwertig.
Friedrich Gulda vergleicht zwei Interpretationen der
Hammerklaviersonate und findet jene aus den 60er Jahren
männlicher - weniger schülerhaft und schludrig,
mehr aus einem Guss.
Franz Schmidt fand "die meisten Klavierspieler
verweiblicht und verweichlicht", aber für
Frauen tröstende Worte.
Lob hieß "männlich", wenn die Komponistin
die musikalischen Formen beherrschte und ihre Komposition
frei von "typisch femininen, weltschmerzlichen
Zügen" erkannt wurde. Kein Wunder, dass die
so Belobigte Louise Adolphe Lebeau mit Clara Schumann,
ihrer zeitweiligen Lehrerin, nur ein schlechtes Verhältnis
hatte: Clara hielt wenig von "Frauen als Componisten".
Für Frauen - Netzwerke war im 19. Jahrhundert kein
Platz, im 20. Jahrhundert selten Zeit: Ruth Schonthal,
die Exil-Österreicherin und US-Amerikanerin, hatte
neben Haushalt und Familie gerade noch Zeit fürs
Komponieren - viele ihrer Werke hat Europa noch nicht
gehört.
Das Weibliche hat es in der Musik ganz besonders schwer
- Mädchen mussten mit dem Erwachsenwerden ihre
Musikerinnen-Karriere begraben. Mozarts Schwester war
ein Opfer dieser Idee. Geigerinnen musen sich bis zum
Anfang des 20. Jahrhudenrts von hinten mit verdecktem
Kopf oder mit einem Schleier über der Brust fotografieren
lassen.
"Mit den Frauen und Mädchen ist nicht so
viel zu machen, die heiraten zum Schluss doch alle -
wenn sie auch noch so viel Ursache hätten, mit
der Kunst zufrieden zu sein." sagte Theodor
Leschetitzky, der sich vier Ehefrauen aus seinem Schülerinnen-Fundus
holte. Er steht in der Tradition anderer Klavierlehrer,
von Mozart bis Brahms und Seidlhofer, denen Klavierschülerinnen
finanzielle und emotionale Zuwendung waren. "Unweiblich
hält man das Streben nach gründlicher Ausbildung"
- klagte LeBeau
"Wenn sie heiraten, ist alles vorbei."
- sagte Nadja Boulanger zu ihren Schülerinnen und
blieb Ehe- und Kinderlos. Nadjas berühmteste Ablehnung
betraf den Schüler George Gershwin, Nadjas Schülerin
Dana Suesse, ein Girl der Tin Pan Alley. Manche ihrer
Songs wurden Hits: Ulrike Beimpold und Lior Kretzer,
der Pianist des Amber Trios, geben ihre Lieder.
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